Projekt: Mittagsfreizeit

Zielsetzung

Ausgedehnte Mittagsfreizeiten haben in Ganztagsschulen einen besonderen Stellenwert. Als Lebens-, Lern- und Erfahrungsort eröffnen sie Möglichkeiten zum Essen und Entspannen sowie zur Teilnahme an offenen Angeboten, die zum Bewegen, Gestalten, Basteln, Lesen oder Musizieren einladen. Ziel des Projekts Mittagsfreizeit ist es, diese als Teil des schulischen Sozialraums aus der Perspektive der Kinder zu erkunden und weiterzuentwickeln. Digital gestützt dokumentieren die Schüler:innen, wie sie Orte und Angebote wahrnehmen, nutzen und bewerten. Auf dieser Grundlage werden partizipative Prozesse angestoßen, die es den Kindern ermöglichen, aktiv an der Gestaltung ihrer Mittagsfreizeit mitzuwirken.

Zentrale Ziele des Projekts:

  • Perspektiven der Kinder auf Orte, Angebote, Atmosphäre und soziale Interaktionen während der Mittagsfreizeit sichtbar machen
  • sozialräumliche Reflexion fördern
  • Kinder an der Weiterentwicklung der Mittagsfreizeit beteiligen
  • persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen der Kinder stärken
}

Zeitrahmen

Das Projekt Mittagsfreizeit ist in drei Projektphasen gegliedert, die jeweils mehrere Themenschwerpunkte umfassen. Es lässt sich flexibel in den Schulalltag integrieren – entweder als einzelne Projekttage über mehrere Wochen verteilt oder als kompakte, zusammenhängende Projektphase. Der zeitliche Umfang kann je nach Jahrgangsstufe, Gruppengröße und gewähltem Schwerpunkt angepasst werden. Möglich Folgeaktivitäten können das Projekt sinnvoll ergänzen und abrunden.

Projekttag 1

Einstimmen

      • in das Thema Mittagsfreizeit einführen
      • beliebte und unbeliebte Orte sammeln, bewerten und präsentieren
      • App #stadtsache kennenlernen

Projekttag 2

Erkunden

      • Schulgelände mit der App #stadtsache erkunden

Bearbeiten

      • Fotos, Audioaufnahmen und Videos bearbeiten

Projekttag 3

Präsentieren

      • Aufnahmen auswählen, präsentieren und gemeinsam reflektieren

Folgeaktivitäten

      • Ergebnisse der Schulöffentlichkeit präsentieren
      • größer angelegte Befragung von Schüler:innen zur Mittagsfreizeit

Der folgende Projektablauf orientiert sich an den Erfahrungen der Grundschule Vizelinstraße in Hamburg-Lokstedt. Die Schule hat das Projekt Mittagsfreizeit entwickelt, geplant und innerhalb von drei Projekttagen (verteilt auf zwei Wochen) in einer 4. Klasse durchgeführt.

Ablauf

Projekttag 1: Einstimmen

Am ersten Projekttag werden die Schüler:innen aktivierend an das Thema Mittagsfreizeit herangeführt. Im Mittelpunkt steht erst einmal die Frage: Welche Orte sind in der Mittagsfreizeit beliebt? Um die Perspektiven und Erfahrungen der Kinder sichtbar zu machen, eignet sich die Methode Platzdeckchen (Platzdeckchen unter Materialien). Diese kooperative Arbeitsform ermöglicht es den Schüler:innen, ihre individuellen Gedanken zunächst eigenständig zu entwickeln und anschließend in ihrer Gruppe (vier Schüler:innen) zu teilen. Die gesammelten Orte werden danach auf Post-its festgehalten und im Plenum thematisch geclustert und visualisiert. In der anschließenden Gesprächsphase wird das Thema Mittagsfreizeit weiter vertieft: Warum sind diese Orte bei Kindern beliebt? Welche Aktivitäten sind dort möglich? Welche Bedürfnisse von Kindern werden dort erfüllt (z.B. Bewegung, Ruhe, Gemeinschaft, Rückzug)?

Im weiteren Verlauf wird der Blick bewusst erweitert: Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auch auf unbeliebte Orte der Mittagsfreizeit. Mögliche Fragen könnten hier sein: Was gefällt Kindern dort nicht? Was genau ist unangenehm, langweilig oder störend? Was müsste sich verändern, damit der Ort bei Kindern beliebter ist? Die Gegenüberstellung von beliebte und unbeliebten Orten fördert eine differenzierte Betrachtung. Die Schüler:innen lernen, ihre eigenen Erfahrungen zu analysieren, Bedürfnisse zu benennen und erste Kriterien für eine gelingende Mittagsfreizeit zu entwickeln.

TIPP: Für die Platzdeckchen-Methode empfehlen sich größere Papierbögen (DIN A3). Für die Clusterung der Orte können Post-its in unterschiedlichen Farben verwendet werden: z.B. unterschiedliche Farben für Ortstypen (Draußen-Orte, Drinnen-Orte, Rückzugsorte, Gemeinschaftsorte) oder Aktivitätstypen (Bewegung, Sport, Entspannung, Kreatives, Spielen).

Nach der Einführung in das Thema entdecken und erlernen die Kinder die Möglichkeiten der App #stadtsache. Dabei kann man unterschiedlich vorgehen: Entweder erhalten ausgewählte Schüler:innen eine gezielte Einführung und geben ihr Wissen und Können später an die Klasse weiter, oder alle Kinder lernen die App von Anfang an gemeinsam kennen. Direkt im Anschluss geht es an eine praktische Erprobung. Auf dem Schulgelände halten die Schüler:innen ihre Eindrücke in Form von Fotos, Audioaufnahmen oder kurzen Videos fest und bearbeiten diese direkt auf dem Tablet. Dafür stehen ihnen in der App Audio- und Kommentarfunktionen zur Verfügung. Optional kann nach der ersten Erprobung noch zusätzliche Zeit eingeplant werden, damit die Kinder ihre Aufnahmen weiter bearbeiten, sortieren oder ergänzen können.

TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der App befinden sich auf der TaskCard – Sozialraumerkundung leicht gemacht. 

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 1 (Einstimmen)

8:00-8:45
in das Tema Mittagsfreizeit einführen

8:45-9:30
beliebte und unbeliebte Orte sammeln, bewerten und präsentieren

10:00-10:45
in die App #stadtsache einführen

10:45-11:30
App #stadtsache auf dem Schulhof erproben

12:00-12:45
optional: Aufnahmen bearbeiten

Projekttag 2: Erkunden & Bearbeiten

An diesem Projekttag erkunden die Schüler:innen Orte der Mittagsfreizeit auf dem Schulgelände. Bevor die Kinder mit der App losziehen, müssen erst einige Fragen geklärt werden:

1. In welcher Gruppe bin ich? Die Kinder werden in kleine Gruppen (drei bis vier Kinder) eingeteilt. In kleinen Gruppen geht es leichter, sich zu einigen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Außerdem müssen die Kinder nicht so lange warten, bis sie selbst mit der App Aufnahmen machen können.

2. Weiß ich, was mit den Aufgaben in der App gemeint ist?
Es ist sinnvoll, die Aufgaben in der App gemeinsam mit den Kindern zu besprechen. Dabei kann noch einmal daran erinnert werden, was die Kinder am ersten Projekttag zu beliebten und unbeliebten Orten in der Mittagsfreizeit herausgefunden haben.

So sehen die Aufgaben in der App aus:

Für Begründungen stehen den Kindern in der App Audio- und Kommentarfunktionen zur Verfügung. Es könnte sinnvoll sein, den Kindern Fragen und Impulse zu geben, an denen sie sich orientieren können.

Mögliche Impulse für gute Begründungen:

  • Warum ist dieser Ort bei Kindern beliebt?
  • Was machst du an diesem Ort?
  • Wen triffst du an diesem Ort?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
  • Was gefällt dir nicht an diesem Ort?
  • Was könnte an diesem Ort verändert werden, damit er bei Kindern beliebter ist?

3. Welche Regeln müssen wir bei der Arbeit mit der App beachten?

Regeln für die App #stadtsache

  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen und nutze auch keine beleidigenden Emojis.
  • Suche dir als erstes eine Aufgabe aus und mache dann ein Foto.
  • Sobald ein Foto grau wird, musst du die App sofort schließen und neu starten.
  • Halte das Tablet beim Fotografieren aufrecht (nicht quer).
  • Hab‘ Spaß! 😊

Jede Gruppe bekommt ein Tablet und erkundet damit das Schulgelände. Mit der App können die Schüler:innen alles fotografieren oder filmen, was ihnen wichtig oder spannend vorkommt. Am besten machen sie das nicht während der Mittagsfreizeit, sondern während der Unterrichtszeit – dann sind die Kinder ungestört und können sich, ohne Ablenkung durch andere Schüler:innen, auf die Erkundung von Orten konzentrieren.

Nach der Erkundung schauen die Gruppen ihre Aufnahmen gemeinsam an. Oft müssen die Aufnahmen noch ein bisschen bearbeitet werden, weil während der Erkundung nicht genug Zeit dafür bleibt. Sie können Texte, Audios oder Zeichnungen hinzufügen – und versehentlich gefilmte Gesichter lassen sich mit Smileys abdecken. Am Ende fließen alle ausgewählten und bearbeiteten Aufnahmen in eine digitale Karte ein, die zeigt, wie die Kinder die Mittagsfreizeit erleben.

DIE DIGITALE KARTE

Auf der Karte lassen sich alle Fundsachen einsehen, die mit der App #stadtsache gesammelt wurden. Jeder einzelne Pin steht für einen Ort, den die Kinder aufgesucht haben. An der Farbe lässt sich erkennen, zu welcher Aufgabe ein Ort gehört.

TIPP: Durch das Klicken auf die Karte öffnet sich diese in einem neuen Fenster und kann detailliert betrachtet werden.

Screenshot der Stadtsache Karte

Mit der Buchung der Lizenz für die Nutzung der App #stadtsache geht nicht automatisch die Ausgabe einer digitalen Karte einher. Die digitale Karte ist eine zusätzliche Agentur-Leistung, die gebucht werden kann.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 2 (Erkunden & Bearbeiten)

8:00-9:00
Erkundung vorbereiten

9:00-11:30
Orte der Mittagsfreizeit mit der App erkunden

12:00-13:00
Aufnahmen bearbeiten

Projekttag 3: Präsentieren

Mit Hilfe der digitalen Karte können die einzelnen Gruppen ihre Fundsachen zunächst ihren Mitschüler:innen zeigen, erklären und auf Fragen antworten. Dafür wählen sie z.B. drei bis vier Aufnahmen aus, die ihnen besonders wichtig erscheinen.

Um eine größere Reichweite für die Ergebnisse des Projekts zu erzielen, können Ergebnisse auch bei vielen anderen Gelegenheiten in der Schule präsentiert werden. Die Schüler:innen der Grundschule Vizelinstraße haben dafür Poster erstellt, die sich an den drei Aufgaben in der App orientieren.

TIPP: Gestalten die Kinder Poster, sollten Fotos bestenfalls im quadratischen Format ausgedruckt werden, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.

Am Ende des Projekttages schauen die Kinder zurück und teilen ihre Erfahrungen:

 

  • Was hast du Neues entdeckt?
  • Wie hat dir das Projekt gefallen?
  • Was fandest du richtig spannend?
  • Was hat dir weniger gefallen?

Dabei können die Kinder darüber nachdenken und erzählen, was sie über die Mittagsfreizeit gelernt haben, wie es war, mit der App zu arbeiten, in der Gruppe aktiv zu sein und eigene Beobachtungen festzuhalten und zu präsentieren.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 3 (Präsentieren)

8:00-8:45
Aufnahmen in der Klasse präsentieren

8:45-9:30
Aufnahmen auswerten und Poster erstellen

10:00-10:45
Projekt abschließen

TIPP: Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde (Urkunden-Muster unter Materialien). Sie markiert nicht nur den Projektabschluss, sondern würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

Folgeaktivitäten

Die Ergebnisse des Projekts machen die subjektiven Sichtweisen der Kinder auf Orte, Angebote, Atmosphäre und soziale Interaktionen während der Mittagsfreizeit sichtbar. Auf dieser Grundlage können partizipative Prozesse angestoßen werden, die es den Kindern ermöglichen, aktiv an der Gestaltung der Mittagsfreizeit mitzuwirken. An der Grundschule Vizelinstraße gab es im Anschluss an das Projekt mehrere Folgeaktivitäten:

Präsentation der Ergebnisse auf der Schülerratssitzung: Die erstellten Poster haben mehrere Schüler:innen auf einer Schülerratssitzung präsentiert. Dort wurden die Ergebnisse mit gewählten Vertreter:innen aller Klassen und Jahrgänge diskutiert.

Präsentation der Ergebnisse auf der Schulversammlung: Auf der Schulversammlung kommen alle Kinder und Erwachsene der Schule regelmäßig zusammen. Dadurch soll der Zusammenhalt gestärkt, die Arbeit und Erfolge von Kindern gewürdigt und über Projekte berichtet werden. Auch hier wurden die Ergebnisse des Projekts präsentiert.

Befragung von Schüler:innen zur Mittagsfreizeit: Um die Perspektive von möglichst vielen Kindern auf die Mittagsfreizeit sichtbar zu machen und in zukünftige Planungen einzubeziehen, wurde ein kleiner Fragebogen entwickelt, der offene Fragen und geschlossene Fragen mit Feldern zum Ankreuzen kombiniert. Dabei ging es u.a. um diese Fragen: Was machst du gerne in der Mittagsfreizeit? Wie gerne bist du an bestimmten Orten? Wie findest du die Mittagsfreizeit insgesamt? Was wünscht du dir für die Mittagsfreizeit? (Fragenbogen zur Mittagsfreizeit unter Materialien). Die Befragung wurde digital mit Hilfe des Tools KoboToolbox durchgeführt, die OpenAcess bereitgestellt wird und die die technischen Möglichkeiten bietet, Befragungen so zu gestalten, dass sie altersgerecht, sicher und leicht verständlich sind.

TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der KoboToolbox befinden sich hier. (eventuell Dokument von CoP3 verlinken?)

Materialien

Ansprechpartnerinnen

Prof. Dr. Dagmar Killus

Prof. Dr. Dagmar Killus

Universität Hamburg

Claudia Matthiesen

Claudia Matthiesen

Universität Hamburg

Bei der App #stadtsache handelt es sich um eine App von tinkerbrain. Institut für Bildungsinitiativen GmbH.

Alle verwendeten Icons stammen von der Plattform Flaticon.