Projekt: Mein Stadtteil

Zielsetzung

Das Projekt Mein Stadtteil möchte Schüler:innen dazu anregen, ihre unmittelbare Lebenswelt aktiv, reflektiert und digital gestützt zu erkunden. Im Mittelpunkt steht dabei die Perspektive der Kinder auf für sie bedeutsame Orte ihres Stadtteils – etwa Sehenswürdigkeiten, Parks, Spielplätze oder kulturelle Einrichtungen. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stadtteil soll dazu beitragen, Kinder als Expert:innen ihrer Lebenswelt anzuerkennen und sie soll Kinder ermutigen, sich stärker mit ihrem Stadtteil zu identifizieren und ihn aktiv mitzugestalten.

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Zentrale Ziele des Projekts:

  • Perspektiven der Kinder auf außerschulische Lebenswelten sichtbar machen
  • Identifizierung mit dem eigenen Stadtteil anregen
  • persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen der Kinder stärken
  • Schule stärker im Sozialraum verankern
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Zeitrahmen

Das Projekt Mein Stadtteil gliedert sich nach vier übergreifenden Projektphasen, denen jeweils mehrere Themenschwerpunkte zugeordnet sind. Das Projekt lässt sich flexibel in den Schulalltag einbinden – sei es durch mehrere einzelne Projekttage über mehrere Wochen oder eine kompakte Projektwoche. Der zeitliche Rahmen kann je nach Jahrgangsstufe, Gruppengröße und Schwerpunkt angepasst, das heißt verkürzt oder erweitert werden.

Projekttag 1

Einstimmen

      • in das Thema Mein Stadtteil einführen
      • Stadtteilkarten lesen
      • Orte entdecken und auswählen
      • Fragen entwickeln
      • App #stadtsache kennenlernen

Projekttag 2

Erkunden

      • Stadtteil mit der App #stadtsache erkunden

Bearbeiten

      • Fotos, Audioaufnahmen und Videos bearbeiten

Projekttag 3

Präsentieren

      • Aufnahmen auswählen, präsentieren und gemeinsam reflektieren

Ein möglicher Ablauf soll nun beschrieben werden. Er orientiert sich an den Erfahrungen der Grundschule Thadenstraße, die in den beiden Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und St. Pauli liegt. Die Schule hat das Projekt Mein Stadtteil entwickelt, geplant und mit drei Klassen der Jahrgangsstufe 2 an drei Projekttagen umgesetzt, die sich über drei Wochen verteilten.

Ablauf

Projekttag 1: Einstimmen

In dieser Projektphase werden die Schüler:innen in das Thema eingeführt und angeregt, sich mit ihrem Stadtteil auseinanderzusetzen. Mithilfe großer, analoger Stadtteilkarten markieren sie Orte, die sie als wichtig, spannend oder schön empfinden, und notieren diese auf Post-Its. Dabei entsteht eine vielfältige Sammlung unterschiedlicher Orte – vom Lieblingsspielplatz über Eisdielen bis hin zu kulturellen Einrichtungen oder Geschäften, die den Kindern besonders gefallen. Auf Grundlage dieser Sammlung entscheiden die Schüler:innen gemeinsam, welche Orte sie später erkunden möchten.

TIPP: Analoge Stadtteilkarten können entweder selbst ausgedruckt (mind. in DIN A3) oder in lokalen Geschäften erworben werden (z.B. Souvenir-Shops).

Sobald feststeht, welche Orte erkundet werden sollen, ordnen die Kinder sie zunächst verschiedenen Kategorien zu. An der Grundschule Thadenstraße entwickelten die Kinder gemeinsam mit ihren Lehrkräften sechs übergreifende Kategorien: Kunst & Kultur, Leckeres, Bewegung & Spiel, Geschäfte, Park & Natur und Sehenswürdigkeiten. Daraus lassen sich Aufgaben für die App #stadtsache erstellen.

So sehen die Aufgaben in der App aus:

Jetzt entdecken die Technik-Kids die App #stadtsache. Sie tippen, wischen, fotografieren und probieren aus, wie sie ihre Ideen umsetzen und festhalten können. Am besten gehen die Kinder dafür nach draußen auf den Schulhof: Dort halten sie fest, was ihnen auffällt, nehmen erste Fotos oder Videos auf und bearbeiten diese direkt am Tablet. Anschließend geben die Technik-Kids ihr Wissen und ihre Erfahrungen an ihre Mitschüler:innen weiter. Alternativ kann natürlich auch die gesamte Klasse von Beginn an in die App eingearbeitet werden.

TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der App befinden sich auf der TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 1 (Einstimmen)

8:00-8:45
in das Tema Mein Stadtteil einführen

8:45-9:30
Stadtteilkarte lesen

10:00-10:45
Orte entdecken und auswählen

10:45-11:30
Technik-Kids in die App #stadtsache einführen

12:00-12:45
App auf dem Schulhof erproben

Projekttag 2: Erkunden & Bearbeiten

Bevor die Schüler:innen in den Stadtteil losziehen, müssen noch einige Punkte geklärt werden:

1. In welcher Gruppe bin ich?
Die Kinder werden in kleine Gruppen (drei bis vier Kinder) eingeteilt. Kleine Gruppen haben sich bewährt, da Abstimmungen und gemeinsame Entscheidungen leichter fallen. Jeder Gruppe werden bestimmte Orte zugewiesen. Neben dem Interesse der Kinder ist zu beachten, dass die zu erkundenden Orte nicht zu weit auseinanderliegen, sodass die Wege gut eigenständig bewältigt werden können.

2. Weiß ich, was mit den Aufgaben in der App gemeint ist?
Es ist sinnvoll, die Aufgaben in der App noch einmal gemeinsam mit den Kindern zu besprechen. Um tiefergehende Einblicke in die Perspektive der Kinder auf ihre Lebenswelt zu erhalten, haben sich zusätzliche Impulse bewährt, die die Kinder dazu anregen, die Bedeutung eines Ortes gut zu begründen. Dafür stehen ihnen in der App Audio- und Kommentarfunktionen zur Verfügung.

Mögliche Impulse für gute Begründungen:

  • Was macht diesen Ort für Kinder besonders?
  • Was machst du an diesem Ort?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?

3. Welche Regeln müssen wir bei der Arbeit mit der App beachten?

Regeln für die App #stadtsache

  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen und nutze auch keine beleidigenden Emojis.
  • Suche dir als erstes eine Aufgabe aus und mache dann ein Foto.
  • Sobald ein Foto grau wird, musst du die App sofort schließen und neu starten.
  • Halte das Tablet beim Fotografieren aufrecht (nicht quer).
  • Hab‘ Spaß! 😊

Jede Gruppe erhält ein Tablet, mit dem sie in die Erkundung des Stadtteils startet. Die Kinder gehen durch die Straßen, halten an, schauen, fragen nach. Mit der App fotografieren und filmen sie das, was ihnen auffällt. Auch hier haben sich kleinere Gruppen bewährt, da die Kinder so nicht lange warten müssen, bis sie selbst Aufnahmen mit dem Tablet machen können. Unterstützend können zusätzlich ausgedruckte Handouts sein, die etwa einen Überblick über die Aufgaben und die aufzusuchenden Orte geben oder die Kinder an die Impulse erinnern, die ihnen dabei helfen, die Bedeutung eines Ortes gut zu begründen (Handout unter Materialien).

TIPP: Die Kinder sind stolz, wenn sie alleine im Stadtteil unterwegs sind und meistern diese Aufgabe in der Regel sehr gut. Trotzdem ist es hilfreich, wenn Lehrkräfte an vereinbarten Orten im Stadtteil bereitstehen, um bei Bedarf zu unterstützen. Auch Eltern können dabei eingebunden werden.

Auf das Erkunden folgt das Bearbeiten. Zurück in der Schule sichten und sortieren die Kinder in ihren Gruppen zunächst ihre Aufnahmen. Sie entscheiden, was wichtig ist und was sie zeigen möchten. Auf diese Weise entsteht eine klarere Sicht auf die Eindrücke, die sie aus dem Stadtteil mitgebracht haben. Die ausgewählten Aufnahmen müssen häufig noch bearbeitet werden, da die Zeit während der Erkundung dafür meist nicht ausreicht. So werden die Aufnahmen auf vielfältige Weise ergänzt und kommentiert – etwa durch Schrift, Audioaufnahmen oder Zeichnungen – oder versehentlich aufgenommene Gesichter werden mit Smileys überdeckt. Die ausgewählten und bearbeiteten Aufnahmen fließen schließlich in die digitale Karte ein, auf der der Stadtteil aus Kinderperspektive sichtbar wird.

DIE DIGITALE KARTE

Auf der Karte lassen sich alle Fotos einsehen, die mit der App #stadtsache gesammelt wurden. Jeder einzelne Pin steht für einen Ort, den die Kinder aufgesucht haben. An der Farbe lässt sich erkennen, zu welcher Aufgabe ein Ort gehört. Alles in allem hat das Projekt ein beeindruckendes Netzwerk entstehen lassen – sichtbar in der digitalen Karte, die Orte, Ideen und Menschen verbindet, die sich im Projekt begegnet sind.

TIPP: Über das Rechteck oben rechts in der Karte lässt sich der Vollbild-Modus auswählen.

Screenshot der Stadtsache Karte

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 2 (Erkunden & Bearbeiten)

8:00-9:00
Erkundung vorbereiten

9:00-11:00
Erkundung im Stadtteil durchführen

11:00-12:45
Aufnahmen bearbeiten

Projekttag 3: Präsentieren

In dieser Projektphase werden die Ergebnisse präsentiert. Bewährt hat sich, wenn die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse zunächst ihren Mitschüler:innen mit Hilfe der digitalen Karte zeigen, erklären und auf Fragen antworten. Dafür wählen sie z.B. drei bis vier Aufnahmen aus, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Selbstverständlich können Ergebnisse auch bei vielen anderen Gelegenheiten in der Schule präsentiert werden: etwa Schülerratssitzungen, Schulversammlungen, Elternabende oder in Form einer Ausstellung im Schulgebäude. Digitale Karten können dabei mit Postern kombiniert werden, die von den Kindern gestaltet werden. Dadurch bringen Kinde ihre Erkenntnisse in eine gut sichtbare Form. Sie malen, schreiben, ordnen und fügen Fotos aus der App ein, die zuvor ausgedruckt werden.

TIPP: Gestalten die Kinder Poster, sollten Fotos bestenfalls im quadratischen Format ausgedruckt werden, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.

Die Grundschule Thadenstraße hat für die Präsentation der Ergebnisse aus dem Projekt Mein Stadtteil einen besonderen Rahmen gewählt: die Eintagsfliege. Dieses Lernformat ermöglicht es allen Schüler:innen, an einem Schulvormittag kreativ zu einem Thema zu arbeiten – entweder innerhalb ihrer Klasse oder auch im ganzen Jahrgang. Im Zentrum stehen das Präsentieren der eigenen Arbeitsergebnisse, der Austausch untereinander sowie das Erleben von Gemeinschaft. Die für die Eintagsfliege reservierte Zeit fiel mit dem dritten Projekttag zusammen. So konnten die Kinder zunächst ihre Poster gestalten und anschließend auf dem Schulhof im Rahmen eines Gallery-Walks der Schulöffentlichkeit präsentierten. Einige Kinder nutzten zusätzlich Tablets, um Mitschüler:innen, Lehrkräften und Eltern die Ergebnisse ihres Stadtteil-Projekts mithilfe der digitalen Karte zu erläutern.

TIPP: Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde (Urkunden-Muster unter Materialien). Sie markiert nicht nur den Projektabschluss, sondern würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 3 (Präsentieren)

8:00-8:45
Ergebnisse in der Klasse präsentieren

8:45-10:30
Poster gestalten

10:30-11:30
Gallery-Walk auf dem Schulhof

Materialien

  • Link zur TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht
  • Handout
  • Urkunden-Muster