Projekt: Sicherheit auf dem Schulweg
Zielsetzung
In dem Projekt Sicherheit auf dem Schulweg erforschen die Schüler:innen ihren Schulweg als Teil ihres Lebensraums. Dabei entdecken sie Orte, an denen sie sich besonders wohl, sicher oder unsicher fühlen, und halten ihre Beobachtungen digital fest. Durch Austausch und gemeinsame Reflexion entwickeln sie ein Verständnis dafür, was einen sicheren Schulweg ausmacht. Die öffentliche Darstellung ausgewählter Ergebnisse im Stadtteil trägt zur Sensibilisierung anderer bei und lässt Kinder erfahren, dass sie ihr Wissen nutzen können, um andere zu informieren und zur Verbesserung der Schulwegsicherheit beizutragen.
Zentrale Ziele des Projekts:
- Erfahrungen der Kinder auf ihren Schulwegen sichtbar machen
- Bewusstsein für Sicherheit im öffentlichen Raum stärken
- persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen der Kinder stärken
Zeitrahmen
Das Projekt Sicherheit auf dem Schulweg ist in fünf übergeordnete Projektphasen gegliedert, die jeweils verschiedene Themenschwerpunkte abdecken. Es kann flexibel in den Schulalltag integriert werden – beispielsweise als einzelne Projekttage über mehrere Wochen oder als kompakte Projektwoche. Der zeitliche Umfang lässt sich je nach Jahrgangsstufe, Gruppengröße und inhaltlicher Schwerpunktsetzung anpassen.
Projekttag 1
Einstimmen
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- in das Thema Sicherheit auf dem Schulweg einführen
- Schulweg-Bingo durchführen
- eigenen Schulweg zeichnen
- Stadtteilkarten lesen
- Wohnorte und Schulwege einzeichnen
- Zusatzmaterial: Umfrage Schulwege in der Klasse
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Projekttag 2
Einstimmen
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- App #stadtsache kennenlernen
- Fundsachen auswerten
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Projekttag 3
Erkunden
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- Stadtteil mit der App erkunden
- Fundsachen auswerten
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Bearbeiten
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- Fotos, Audioaufnahmen und Videos bearbeiten
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Projekttag 4
Präsentieren
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- Aufnahmen auswählen, präsentieren und gemeinsam reflektieren
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Projekttag 5
Spuren hinterlassen
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- Ergebnisse im öffentlichen Raum sichtbar machen
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Im Folgenden wird ein möglicher Ablauf vorgestellt. Er basiert auf den Erfahrungen der Grundschule Vizelinstraße im Hamburger Stadtteil Lokstedt, die das Projekt Sicherheit auf dem Schulweg entwickelt, geplant und mit drei Klassen der Jahrgangsstufen 3 und 4 im Rahmen einer Projektwoche durchgeführt hat.
Ablauf
Projekttag 1: Einstimmen
Zu Beginn des Projekts werden die Schüler:innen an das Thema Sicherheit auf dem Schulweg herangeführt. Ein motivierender Einstieg in das Thema gelingt mit einem Schulweg-Bingo (Schulweg-Bingo unter Materialien). Auf spielerische Weise erfahren die Schüler:innen dabei unter anderem, wer mit dem Fahrrad zur Schule kommt, wer einen weiten Schulweg hat oder wer eine große Straße überqueren muss. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem eigenen Schulweg ist möglich, wenn Schüler:innen ihren Schulweg zeichnen (Schulweg zeichnen unter Materialien). So wird deutlich, welchen Weg die Kinder täglich zurücklegen. Gleichzeitig können sie zeigen, welche Orte auf ihrem Weg liegen, wen sie treffen oder was ihnen sonst noch wichtig an ihrem Schulweg ist.
Anschließend arbeiten die Schüler:innen mit analogen Stadtteilkarten (DIN A2). In kleinen Gruppen tragen sie ihre Wohnorte ein, vergleichen ihre Wege und entdecken dabei Überschneidungen oder Unterschiede. Am Ende können die Kinder ihren Wohnort mit einem Klebepunkt (mit ihren Initialen) auf einer größeren Karte (DIN A1) markieren, die im Klassenraum aushängt. Durch das gemeinsame Betrachten der kleinen und großen Karten entwickeln die Kinder ein erstes Verständnis dafür, wie vielfältig die Schulwege sind, welche Orte für sie besonders wichtig sind und an welchen Stellen sie sich sicher oder unsicher fühlen (wichtige Erkenntnisse hierzu können auch in der Klasse visualisiert werden). Die Arbeit mit den analogen Karten soll die Kinder zudem dabei unterstützen, später bei der Erkundung ihres Schulwegs im Stadtteil ausgewählte Wege und Orte leichter zu finden. Eine kurze Auswertung – Was hast du Neues gelernt? – rundet den erste Projekttag ab.
TIPP: Kleinere analoge Stadtteilkarten können selbst ausgedruckt (mindestens in DIN A3), in der Touristeninformation abgeholt oder in lokalen Geschäften wie Souvenirshops gekauft werden.
Wenn noch Zeit ist, kann zum Abschluss eine Umfrage durchgeführt werden, mit der sich recht schnell ein Gesamtbild für die ganze Klasse erstellen lässt (Umfrage Schulweg unter Materialien). Mögliche Fragen: Wie lang ist dein Schulweg? Mit wem kommst du zur Schule? Wie kommst du zur Schule? Bei jeder Frage können die Kinder zwischen mehreren Antwortvorgaben wählen und an der entsprechenden Stelle einen Klebepunkt hinterlassen.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 1 (Einstimmen)
8:00-8:45
in das Tema Sicherheit auf dem Schulweg einführen & Schulweg-Bingo durchführen
8:45-9:30
eigenen Schulweg zeichnen
10:00-10:45
Stadtteilkarten lesen & Wohnorte und Schulwege einzeichnen
10:45-11:30
kleine und große Karten auswerten & für Sicherheit auf dem Schulweg sensibilisieren
12:00-12:45
optional: Umfrage zum Thema Schulwege in unserer Klasse durchführen & den ersten Projekttag auswerten
Projekttag 2: Einstimmen
An diesem Tag sammeln die Schüler:innen Erfahrungen mit der App #stadtsache. Entweder werden einzelne Technik-Kids ausgebildet, die ihr Wissen und Können später an ihre Mitschüler:innen weitergeben, oder es wird von Anfang an die ganze Klasse einbezogen. Nach einer Einführung geht es raus auf den Schulhof. Dort nehmen die Kinder erste Fotos, Audioaufnahmen oder Videos auf und bearbeiten diese direkt am Tablet. Für die Schulhoferkundung können Aufgabenstellungen genutzt werden, die später auch bei der Stadtteilerkundung eingesetzt werden sollen (Wo sind deine Lieblingsorte? An welchen Orten fühlst du dich unwohl?). Dadurch können sich Schüler:innen schon im Vorfeld mit Inhalt und Formulierung einer Aufgabe vertraut machen.
So sehen die Aufgaben in der App aus:
TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der App befinden sich auf der TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht.
Es ist sinnvoll, auch nach der Schulhoferkundung noch Zeit für die Bearbeitung der Aufnahmen einzuplanen. Die Aufnahmen können anschließend ausgewertet werden und liefern wertvolle Einblicke in die Perspektiven der Schüler:innen. Sie zeigen, wie die Kinder ihren Schulhof wahrnehmen, der einen festen Bestandteil ihres Schulaltages ausmacht. So lassen sich nicht nur ästhetische oder räumliche Eindrücke gewinnen, sondern auch die Bedeutung des Schulhofs für soziale Interaktionen und das Wohlbefinden der Schüler:innen erfassen.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 2 (Einstimmen)
8:45-9:30
in die App #stadtsache einführen
10:00-10:45
App auf dem Schulhof erproben
10:45-11:30
Aufnahmen bearbeiten
12:00-13:00
Schulhoferkundung auswerten
Projekttag 3: Erkunden & Bearbeiten
Bevor die Schüler:innen in den Stadtteil losziehen, müssen noch einige Punkte geklärt werden:
1. In welcher Gruppe bin ich?
Die Kinder werden in kleine Gruppen (etwa vier Kinder) eingeteilt. Kleine Gruppen haben den Vorteil, dass Abstimmungen und gemeinsame Entscheidungen leichter fallen. Dabei können die Gruppen so zusammengesetzt werden, dass Kinder mit unterschiedlichen Schulwegen aufeinandertreffen. Dies ermöglicht einen Perspektivwechsel und gibt Einblicke in verschiedene Lebenswelten. Damit die Wege eigenständig bewältigt werden können und die Kinder nicht überfordert werden, empfiehlt es sich, die Anzahl der zu erkundenden Schulwege pro Gruppe auf zwei zu begrenzen. Besonders geeignet sind Wege, an denen möglichst mehrere Kinder der Gruppe wohnen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die zu erkundenden Schulwege nicht zu weit voneinander entfernt liegen. Liegt die Schule auf dem Weg, kann zwischen den beiden Schulwegen ein Zwischenstopp eingeplant werden, damit die Kinder sich stärken können.
2. Weiß ich, was mit den Aufgaben in der App gemeint ist?
Es lohnt sich, die Aufgaben in der App noch einmal gemeinsam mit den Kindern durchzugehen. Dabei kann wiederholt werden, was sie am ersten Projekttag schon über sichere und unsichere Orte auf ihren Schulwegen herausgefunden haben. Zusätzliche Impulse zu den Aufgaben helfen den Kindern, genau zu erklären, warum sie Aufnahmen an einem bestimmten Ort gemacht haben. Um ihre Gedanken festzuhalten, können sie in der App ganz einfach die Audio- und Kommentarfunktionen nutzen.
Mögliche Impulse für gute Begründungen:
- Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
- Warum fühlst du dich hier wohl?
- Warum fühlst du dich hier unwohl?
- Was würde diesen Ort sicherer machen?
- …
3. Welche Regeln müssen wir bei der Arbeit mit der App beachten?
Regeln für die App #stadtsache
- Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
- Nenne keine Namen.
- Schreibe keine Beleidigungen und nutze auch keine beleidigenden Emojis.
- Suche dir als erstes eine Aufgabe aus und mache dann ein Foto.
- Sobald ein Foto grau wird, musst du die App sofort schließen und neu starten.
- Halte das Tablet beim Fotografieren aufrecht (nicht quer).
- Hab‘ Spaß! 😊
Die Erkundung der Schulwege im Stadtteil startet! Jede Gruppe bekommt ein Tablet. Die Kinder erkunden nun ihre Schulwege gemeinsam, beobachten aufmerksam und tauschen sich über ihre Entdeckungen aus. Mit der App können sie fotografieren und filmen, was ihnen auffällt. In kleineren Gruppen kommt jedes Kind schneller selbst zum Einsatz und kann Aufnahmen machen – das hebt die Motivation.
TIPP: Die Kinder sind stolz, wenn sie alleine im Stadtteil unterwegs sind und meistern diese Aufgabe in der Regel sehr gut. Trotzdem ist es hilfreich, wenn Lehrkräfte an vereinbarten Orten im Stadtteil bereitstehen, um bei Bedarf zu unterstützen. Auch Eltern können dabei eingebunden werden.
Die Aufnahmen werden jetzt innerhalb der Gruppen gesichtet, sortiert und bearbeitet. Um die Bedeutung einzelner Aufnahmen besser nachvollziehbar zu machen, können die Kinder diese auf vielfältige Weise anreichern, zum Beispiel durch schriftliche Kommentare, Audioaufnahmen oder Zeichnungen. Bei dieser Gelegenheit können auch versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys überdeckt werden. 😊
Alle bearbeiteten Aufnahmen fließen schließlich in die digitale Karte ein, auf der die Perspektive von Kindern auf ihren Schulweg sichtbar wird.
DIE DIGITALE KARTE
Auf der Karte lassen sich alle Fotos einsehen, die mit der App #stadtsache gesammelt wurden. Jeder einzelne Pin steht für einen Ort, den die Kinder aufgesucht haben. An der Farbe lässt sich erkennen, zu welcher Kategorie bzw. Aufgabe ein Ort gehört.
TIPP: Über das Rechteck oben rechts in der Karte lässt sich der Vollbild-Modus auswählen.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 3 (Erkunden & Bearbeiten)
8:00-8:45
Erkundung vorbereiten
9:00-12:30
Erkundung der Schulwege durchführen
14:00-15:00
Aufnahmen bearbeiten
Projekttag 4: Präsentieren
Innerhalb der Gruppen entscheiden die Kinder, welche Aufnahmen ihnen wichtig sind und was sie zeigen möchten. Bewährt hat sich, wenn die einzelnen Gruppen ihre Aufnahmen zunächst ihren Mitschüler:innen mit Hilfe der digitalen Karte zeigen, erklären – und bei Bedarf auf Fragen antworten. Dafür wählt jede Gruppe zwei bis drei Aufnahmen aus.
Nach der Präsentation werden die Aufnahmen und Erfahrungen der Kinder im Plenum gemeinsam reflektiert. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wo fühlst du dich unsicher? Und was würdest du gerne an deinem Schulweg verändern? Die Kinder tauschen sich dazu aus, und die wichtigsten Ergebnisse werden im Klassenraum dokumentiert (Pinnwand oder Smartboard).
Anschließend wählen die Kinder innerhalb ihrer Gruppen diejenigen Aufnahmen aus, die besonders gut zeigen, wo sie sich unsicher fühlen und welche Verbesserungen sie sich wünschen.
Die ausgewählten Aufnahmen werden für den letzten Projekttag ausgedruckt.
TIPP: Gestalten die Kinder Poster, sollten Fotos bestenfalls im quadratischen Format ausgedruckt werden, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 4 (Präsentieren)
8:45-9:30
Aufnahmen in der Klasse präsentieren
10:00-11:00
Aufnahmen auswerten und auswählen
TIPP: Die Ergebnisse der Projektwoche können von den Kindern auch in einem persönlichen Portfolio gesammelt werden, etwa mit ausgedruckten Fotos, eigenen Texten oder anderen Materialien.
Projekttag 5:
Spuren hinterlassen
An der Grundschule Vizelinstraße sind die Schüler:innen am letzten Projekttag erneut im Stadtteil unterwegs gewesen und haben dort gezielt die Orte aufgesucht, an denen sie sich unwohl und unsicher fühlen. Dort brachten sie ihre gestalteten und ausgedruckten Fotos an und machen so auf ihre Beobachtungen und Anliegen aufmerksam. Die Fotos verweisen auf Orte, an denen sich die Kinder mehr Sicherheit, Aufmerksamkeit oder Veränderungen wünschen, und richten sich bewusst an andere Menschen im Stadtteil. Indem die Kinder Spuren hinterlassen, erfahren sie, dass ihre Perspektiven Bedeutung haben und öffentlich wahrgenommen werden können.
Die Sichtbarmachung von Ergebnissen im öffentlichen Raum bildet einen besonders wirkungsvollen Abschluss des Projekts. Sie fördert die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit dem Thema Schulwegsicherheit und stärkt das Gefühl der Kinder, mit ihren Beobachtungen und Ergebnissen etwas bewirken zu können.
TIPP: Das Anbringen von Materialien im öffentlichen Raum sollte im Vorfeld stets mit der Schulleitung und – je nach Standort – auch mit der zuständigen Stadt oder dem Quartiersmanagement abgestimmt werden. Selbstverständlich können Ergebnisse auch in der Schule bei vielen Gelegenheiten präsentiert werden: etwa Schülerratssitzungen, Schulversammlungen, Elternabende oder in Form einer Ausstellung im Schulgebäude. Digitale Karten können dabei mit Postern kombiniert werden, die von den Kindern gestaltet werden.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 5 (Spuren hinterlassen)
8:45-9:30
Spuren hinterlassen vorbereiten
10:00-11:00
Fotos im Stadtteil anbringen
11:00-11:30
Projektwoche ausklingen lassen
TIPP: Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde (Urkunden-Muster unter Materialien). Sie markiert nicht nur den Projektabschluss, sondern würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.
Materialien
- Schulweg-Bingo
- Schulweg zeichnen
- Umfrage Schulweg
- Link zur TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht
- Urkunden-Muster
