Projekt: Müll im Stadtteil
Zielsetzung
Das Projekt Müll im Stadtteil ermöglicht Schüler:innen, ihre direkte Umwelt bewusst wahrzunehmen und zu verstehen, wie Müll entsteht und entsorgt wird. Sie lernen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen, und entwickeln ein frühes Umweltbewusstsein. In diesem Projekt werden bewusst unterschiedliche Wohngebiete in einem Stadtteil erkundet: das heißt mit unterschiedlichen sozialen Herausforderungen. Durch den Vergleich lernen die Kinder, ihre Umwelt genauer zu beobachten und Zusammenhänge zu erkennen. Sie verstehen, dass unterschiedliche Lebensbedingungen Einfluss auf das Erscheinungsbild eines Stadtteils haben können, ohne dabei Menschen zu verurteilen.
Zentrale Ziele des Projekts:
- Umweltbewusstsein sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Müll entwickeln
- die eigene Umwelt bewusst wahrnehmen
- Zusammenhänge zwischen Lebensbedingungen und dem Erscheinungsbild von Stadtteilen erkennen
- persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen der Kinder stärken
Zeitrahmen
Das Projekt Müll im Stadtteil ist in fünf übergreifende Projektphasen mit jeweils mehreren Themenschwerpunkten gegliedert. Das Projekt lässt sich flexibel in den Schulalltag einbinden: als mehrere einzelne Projekttage über mehrere Wochen oder als kompakte Projektphase. Der zeitliche Rahmen kann je nach Jahrgangsstufe, Gruppengröße und Schwerpunkt angepasst werden.
Projekttag 1
Einstimmen
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- in das Thema Müll im Stadtteil einführen
- Stadtteilkarten lesen
- Orte entdecken und auswählen
- App #stadtsache kennenlernen
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Projekttag 2
Erkunden
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- Stadtteil mit der App #stadtsache erkunden
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Bearbeiten
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- Fotos, Audioaufnahmen und Videos bearbeiten
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Projekttag 3
Präsentieren
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- Aufnahmen auswählen, präsentieren und gemeinsam reflektieren
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Weiterdenken
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- kreative Aufgabe zum Thema
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Der folgende Projektablauf orientiert sich an den Erfahrungen der Schule An der Burgweide, die im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg liegt. Die Schule hat das Projekt Müll im Stadtteil entwickelt, geplant und mit einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe (Jahrgang 4-6) innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Projekttagen (Donnerstag, Freitag, Montag) umgesetzt.
Ablauf
Projekttag 1: Einstimmen
Am ersten Projekttag werden die Schüler:innen an das Thema Müll im Stadtteil herangeführt. Gemeinsam überlegen sie zunächst, wie in ihrem Stadtteil mit Müll umgegangen wird – zum Beispiel, wie viele Mülleimer es gibt, wie diese aussehen, ob Müll richtig getrennt wird oder warum Abfall manchmal auf der Straße liegt. Nach dem Einstieg wurden an der Schule An der Burgweide Gruppen gebildet, in denen Kinder aus unterschiedlichen Wohngebieten zusammenarbeiteten, um mehr über die Lebensrealitäten ihrer Mitschüler:innen zu erfahren. In diesen Gruppen arbeiteten die Schüler:innen zunächst mit analogen Karten (DIN A3). Die Karten zeigten zwei Wohngebiete, in denen die meisten Schüler:innen der Klasse leben: das Wohngebiet Kirchdorf-Süd, eine dicht bebaute Hochhaussiedlung, sowie ein Wohngebiet auf der Elbinsel mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Wohnblöcken. Die Schüler:innen trugen ihre Wohnorte zusammen, verglichen ihre Wege und entdeckten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede. Die Arbeit mit den analogen Karten sollte den Schüler:innen helfen, sich bei der anschließenden Stadtteilerkundung besser orientieren zu können.
TIPP: Analoge Stadtteilkarten können selbst ausgedruckt (mindestens in DIN A3), in der Touristeninformation abgeholt oder in lokalen Geschäften wie Souvenirshops gekauft werden.
Nun erfolgt die Einführung in die App #stadtsache. Dabei können alle Schüler:innen gleichzeitig Erfahrungen mit der App machen – oder es werden Technik-Kids ausgebildet, die ihr Wissen und Können dann später an ihre Mitschüler:innen weitergeben. Um Sicherheit im Umgang mit den Tablets zu gewinnen, probieren die Schüler:innen die App zunächst auf dem Schulgelände aus. Es ist sinnvoll, für die Schulhoferkundung dieselben Aufgaben zu nehmen wie für die spätere Stadtteilerkundung. Auf diese Weise können sich die Kinder bereits im Vorfeld mit den Aufgaben und Formulierungen vertraut machen. Gleichzeitig entsteht dadurch ein erstes Bewusstsein dafür, wie Müll im eigenen Umfeld wahrgenommen und mit Fotos, Videos oder Sprachaufnahmen dokumentiert werden kann.
Nach der Schulhoferkundung werden die Fundsachen erst am Tablet bearbeitet und dann gemeinsam ausgewertet. Beispiele für Fragen:
- Welche Arten von Müll habt ihr gefunden (Papier, Plastik, Essensreste, …)?
- An welchen Orten auf dem Schulhof liegt am meisten Müll?
- Gibt es Orte, an denen ihr kaum oder gar keinen Müll gefunden habt?
Für den nächsten Tag erhalten die Kinder eine kleine Hausaufgabe, in der sie sich mit folgender Frage beschäftigen sollen: Wo in meinem Stadtteil liegt besonders viel Müll?
TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der App #stadtsache befinden sich auf der TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 1 (Einstimmen)
8:00-8:45
in das Tema Müll im Stadtteil einführen
8:45-9:30
Stadtteilkarten lesen
10:00-10:45
in die App #stadtsache einführen
10:45-11:30
App auf dem Schulhof erproben
12:00-12:45
Aufnahmen bearbeiten & Schulhoferkundung auswerten
Projekttag 2: Erkunden & Bearbeiten
Bevor die Schüler:innen in den Stadtteil losziehen, müssen noch einige Punkte geklärt werden:
1. In welcher Gruppe bin ich?
Die Kinder werden in kleine Gruppen (drei bis vier Kinder) eingeteilt. Kleine Gruppen haben sich bewährt, da Abstimmungen und gemeinsame Entscheidungen leichter fallen. Jeder Gruppe werden bestimmte Orte zugewiesen. Neben dem Interesse der Kinder ist zu beachten, dass die zu erkundenden Orte nicht zu weit auseinanderliegen, sodass die Wege gut eigenständig bewältigt werden können.
2. Weiß ich, was mit den Aufgaben in der App gemeint ist?
Es ist sinnvoll, die Aufgaben in der App noch einmal gemeinsam mit den Kindern zu besprechen. Davor könnte erst einmal gesammelt und wiederholt werden, welche Arten von Müll es gibt und welche Eigenschaften ,positive‘ und ,negative‘ Mülleimer haben (bunt, groß, barrierearm, überfüllt …). Danach werden die Aufgaben in der App noch einmal besprochen. Tiefere Einblicke in die Perspektive der Kinder auf ihre Lebenswelt ermöglichen Impulse, mit denen Kinder angeregt werden, die Bedeutung eines Ortes zu begründen. Dafür stehen ihnen in der App Audio- und Kommentarfunktionen zur Verfügung.
Mögliche Impulse für gute Begründungen:
- Welches Gefühl hast du, wenn du an einen Ort denkst, an dem Müll liegt?
- Warum schätzt du den Mülleimer als positiv ein?
- Warum schätzt du den Mülleimer als negativ ein? Wie würdest du ihn verändern?
- …
3. Welche Regeln müssen wir bei der Arbeit mit der App beachten?
Regeln für die App #stadtsache
- Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
- Nenne keine Namen.
- Schreibe keine Beleidigungen und nutze auch keine beleidigenden Emojis.
- Suche dir als erstes eine Aufgabe aus und mache dann ein Foto.
- Sobald ein Foto grau wird, musst du die App sofort schließen und neu starten.
- Halte das Tablet beim Fotografieren aufrecht (nicht quer).
- Hab‘ Spaß! 😊
Jede Gruppe bekommt ein Tablet und macht sich damit auf den Weg. In den Wohngebieten angekommen schauen sich die Kinder alles genau an. Mit der App fotografieren oder filmen sie das, was ihnen wichtig erscheint. Kleine Gruppen haben sich auch hier bewährt, weil so jedes Kind selbst Fotos oder Videos machen kann, ohne lange zu warten.
TIPP: Die Kinder sind stolz, wenn sie alleine im Stadtteil unterwegs sind und meistern diese Aufgabe in der Regel sehr gut. Trotzdem ist es hilfreich, wenn Lehrkräfte an vereinbarten Orten im Stadtteil bereitstehen, um bei Bedarf zu unterstützen. Auch Eltern können dabei eingebunden werden.
Sobald die Kinder wieder zurück in der Schule sind, sichten und ordnen sie in ihren Gruppen zunächst ihr gesammeltes Material. Gemeinsam legen sie fest, welche Aufnahmen ihnen wichtig sind und präsentiert werden sollen. Häufig müssen die ausgewählten Aufnahmen anschließend noch bearbeitet werden, da während der Stadtteilerkundung dafür meist nicht genügend Zeit bleibt. Die Aufnahmen werden auf unterschiedliche Weise ergänzt und kommentiert, etwa durch Texte, Audioaufnahmen oder Zeichnungen. Und versehentlich aufgenommene Gesichter können dabei mit Smileys unkenntlich gemacht werden. Abschließend fließen die ausgewählten und bearbeiteten Beiträge in eine digitale Karte, die die Wahrnehmung von Müll im Stadtteil aus der Perspektive der Kinder sichtbar macht.
DIE DIGITALE KARTE
Auf der Karte lassen sich alle Fundsachen einsehen, die mit der App #stadtsache gesammelt wurden. Jeder einzelne Pin steht für einen Ort, den die Kinder aufgesucht haben. An der Farbe lässt sich erkennen, zu welcher Aufgabe ein Ort gehört.
TIPP: Über das Rechteck oben rechts in der Karte lässt sich der Vollbild-Modus auswählen.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 2 (Erkunden & Bearbeiten)
8:00-9:00
Erkundung vorbereiten
9:00-11:00
Erkundung im Stadtteil durchführen
11:00-12:45
Aufnahmen bearbeiten
Projekttag 3: Präsentieren & Weiterdenken
An diesem Projekttag werden die Fundsachen präsentiert. Bewährt hat sich, wenn die einzelnen Gruppen ihre Fundsachen zunächst ihren Mitschüler:innen mit Hilfe der digitalen Karte zeigen, erklären und auf Fragen antworten. Dafür wählen sie z.B. drei bis vier Aufnahmen aus, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Durch den Vergleich von Ergebnissen können Unterschiede zwischen den einbezogenen Wohngebieten im Hinblick auf den Umgang mit Müll sichtbar werden. Die Kinder profitieren davon, indem sie lernen, ihre Umwelt genauer zu beobachten und Zusammenhänge zwischen Lebendbedingungen und dem Erscheinungsbild eines Wohngebiets zu erkennen. Selbstverständlich können Ergebnisse auch bei vielen anderen Gelegenheiten in der Schule präsentiert werden: etwa Schülerratssitzungen, Schulversammlungen, Elternabende oder in Form einer Ausstellung im Schulgebäude. Digitale Karten können dabei mit Postern kombiniert werden, die von den Kindern gestaltet werden.
TIPP: Gestalten die Kinder Poster, sollten Fotos bestenfalls im quadratischen Format ausgedruckt werden, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.
TIPP: Die Ergebnisse des Projekts können von den Kindern auch in einem persönlichen Portfolio gesammelt werden, das ausgedruckte Fotos, eigene Texte oder andere Arbeitsergebnisse enthält.
Das Weiterdenken zum Thema Müll kann auf unterschiedliche Weise gefördert werden. Die Schule An der Burgweide hat sich hierzu Folgendes überlegt:
- Rollenspiel – Bürgerversammlung zum Thema Müll: Die Schüler:innen bleiben in ihren Gruppen und schlüpfen in einem Rollenspiel in unterschiedliche Rollen: Bürgermeister:in, Reporter:in und Bürger:innen (Rollenspiel – Bürgerversammlung unter Materialien). In dieser Konstellation stellen die Gruppen eine Bürgerversammlung nach, in der die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister mit den Ergebnissen konfrontiert und nach Lösungsvorschlägen gefragt wird. Rollenspiele werden anschließend (auf freiwilliger Basis) präsentiert und bieten den Schüler:innen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse argumentativ zu vertreten und unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Müll im Stadtteil einzunehmen.
- Aufgabenstellung – Der perfekte Mülleimer: Auf Grundlage der zuvor im Plenum gesammelten Eigenschaften gestalten die Schüler:innen alleine oder in Gruppen ihren jeweils ,perfekten‘ Mülleimer (Aufgabenstellung – Der perfekte Mülleimer unter Materialien). Die entstandenen Entwürfe werden anschließend in einer kleinen Ausstellung präsentiert. Im gemeinsamen Rundgang geben sich die Schüler:innen gegenseitig Feedback, tauschen ihre Eindrücke aus und reflektieren, welche Ideen sie besonders überzeugend, alltagstauglich oder auch originell finden.
TIPP: Als weiterführende Idee kann die Herstellung eines selbst designten Mülleimers verfolgt werden. Die Kinder wählen einen Entwurf aus, setzen ihn um und platzieren den Mülleimer auf dem Schulhof. Dabei erfahren sie nicht nur, dass ihre Ideen ernst genommen werden, sondern auch, dass sie selbst aktiv etwas für ihre Umwelt tun können.
Abschluss: Was hast du Neues gelernt? Abschließend werden die gemeinsamen Erfahrungen ausgewertet. Die Schüler:innen denken darüber nach, was sie über Müll (im Stadtteil) gelernt haben, wie sich ihre Wahrnehmung des öffentlichen Raums verändert hat und wie es sich angefühlt hat, eigene Beobachtungen zu dokumentieren und zu präsentieren.
TIPP: Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde (Urkunden-Muster unter Materialien). Sie markiert nicht nur den Projektabschluss, sondern würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.
STUNDENPLAN-BEISPIEL
Projekttag 3 (Präsentieren & Weiterdenken)
8:00-8:45
Aufnahmen in der Klasse präsentieren und auswerten
8:45-9:30
Rollenspiel –Bürgerversammlung
10:00-10:45
Rollenspiel –Bürgerversammlung (Fortsetzung)
10:45-11:30
den perfekten Mülleimer designen
12:00-13:00
Projekt abschließen
Materialien
- Link zur TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht
- Rollenspiel – Bürgerversammlung
- Aufgabenstellung – Der perfekte Mülleimer
- Urkunden-Muster

