Projekt: Freundschafts-Orte

Zielsetzung

In der Lebenswelt von Grundschulkindern spielt Freundschaft eine zentrale Rolle. Freundschaften entstehen und entwickeln sich nicht nur im Klassenraum oder auf dem Schulhof, sondern auch an verschiedenen Orten der außerschulischen Lebenswelt – wie beispielsweise auf dem Spielplatz, im Sportverein oder in der Nachbarschaft. Im Projekt Freundschafts-Orte besuchen und erforschen die Kinder Orte, an denen sie Zeit mit ihren Freund:innen verbringen. Diese Orte sind für die Kinder subjektiv bedeutsam, da sie dort gemeinsam aktiv sind, etwas erleben und soziale Erfahrungen sammeln. Durch das Aufsuchen und Erkunden dieser Orte erhalten die Schüler:innen die Möglichkeit, Freundschaft lebensnah zu erfahren und zu reflektieren.

Zentrale Ziele des Projekts:

  • Bedeutung und Entstehung von Freundschaft erfahrbar machen
  • Rolle bestimmter Orte für Freundschaften erkennen
  • soziale Fähigkeiten der Kinder stärken, damit sie Freundschaften aufbauen und pflegen können
  • respektvolles und wertschätzenden Miteinander in der Klasse fördern
  • persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen der Kinder stärken
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Zeitrahmen

Das Projekt Freundschafts-Orte gliedert sich in drei Projektphasen. Jede Projektphase umfasst mehrere Themenschwerpunkte. Das Projekt kann in Form mehrerer einzelner Projekttage durchgeführt werden, die sich über mehrere Wochen erstrecken, oder als kompaktes Projekt an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Der zeitliche Umfang lässt sich je nach Jahrgangsstufe, Gruppengröße und inhaltlicher Schwerpunktsetzung anpassen.

Projekttag 1

Einstimmen

      • in das Thema Freundschafts-Orte einführen
      • Freundschafts-Bingo durchführen
      • über Eigenschaften einer guten Freundin, eines guten Freundes nachdenken
      • Stadtteilkarten lesen und Freundschafts-Orte einzeichnen
      • App #stadtsache kennenlernen
      • Schulhoferkundung durchführen
      • Fundsachen auswerten

Projekttag 2

Erkunden

      • Stadtteil mit der App #stadtsache erkunden

Bearbeiten

      • Fotos, Audioaufnahmen und Videos bearbeiten

Projekttag 3

Präsentieren

      • Aufnahmen auswählen, präsentieren und gemeinsam reflektieren

Der folgende Projektablauf basiert auf den Erfahrungen der Schule An der Burgweide in Hamburg-Wilhelmsburg. Dort wurde das Projekt Freundschafts-Orte entwickelt, geplant und mit einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe (Jahrgang 1-3) mit an drei aufeinanderfolgenden Projekttagen (Donnerstag, Freitag, Montag) durchgeführt.

Ablauf

Projekttag 1: Einstimmen

Zu Beginn des Projekts werden die Schüler:innen für das Thema Freundschafts-Orte sensibilisiert. Dafür empfehlen sich aktivierende und kreative Methoden:

 

  • Ein Freundschafts-Bingo stellt eine Möglichkeit dar, um mehr über die Mitschüler:innen zu erfahren. Dabei geht es nicht nur um das ‚Gewinnen‘, sondern vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen: Wer macht Sport in einem Verein? Wer verbringt seine Freizeit gerne in der Natur? Oder wer bastelt gerne? (Freundschafts-Bingo unter Materialien). Durch das Ausfüllen der Felder lernen die Schüler:innen auf ungezwungene Weise mehr übereinander und merken vielleicht, dass sie gemeinsame Hobbys oder Interessen teilen.
  • Kinder können sich intensiv mit dem Thema Freundschaft auseinandersetzen, indem sie über Eigenschaften einer guten Freundin oder eines guten Freundes nachdenken. Leitfragen können sein: Was ist dir an einer Freundin oder einem Freund wichtig? Welche Eigenschaften sollte sie/er haben? Was darf eine gute Freundin oder ein guter Freund auf keinen Fall tun? Zusätzlich können die Kinder auf große Plakate oder Tapetenrollen den Umriss eines Menschen zeichnen und ihre Gedanken hierzu eintragen. Eine gemeinsame Reflexion (Welche Eigenschaften findest du am wichtigsten?) rundet alles ab (Eigenschaften guter Freund:innen unter Materialien).
  • Mit Standbildern können Kinder kreativ und aktiv zeigen, was Freundschaft für sie bedeutet. In kleinen Gruppen überlegen sie gemeinsam, welchen Aspekt von Freundschaft sie darstellen möchten und wie sie diesen ohne Worte, also mit Körperhaltung, Mimik und Gestik, ausdrücken können. Die zuschauenden Kinder versuchen anschließend zu erraten, welcher Aspekt von Freundschaft dargestellt wird. Alternativ können die darstellenden Kinder ihre Idee selbst erklären oder beschreiben, wie sich die einzelnen Personen in der Szene fühlen.

Anschließend arbeiten die Schüler:innen mit analogen Stadtteilkarten (DIN A2), in die sie Freizeit- und Freundschafts-Orte eintragen. In kleinen Gruppen markieren die Kinder diese Orte und überlegen gemeinsam, wen sie dort treffen, was sie dort tun und wie sie sich dabei fühlen. Durch das gemeinsame Betrachten der Karten entwickeln die Kinder ein erstes Verständnis dafür, wie vielfältig Freizeit- und Freundschafts-Orte sind und welche Bedeutung bestimmte Orte für Freundschaften haben. Die Arbeit mit den analogen Karten unterstützt die Kinder außerdem dabei, sich im Stadtteil zu orientieren und ausgewählte Orte bei einer späteren Erkundung leichter wiederzufinden.

TIPP: Kleinere analoge Stadtteilkarten können selbst ausgedruckt (mind. in DIN A3), in der Touristeninformation abgeholt oder in lokalen Geschäften wie Souvenirshops gekauft werden.

 

Im Anschluss an die inhaltliche Einführung lernen die Schüler:innen den Umgang mit der App #stadtsache kennen. Dabei können entweder einzelne technik-affine Kinder als Expert:innen geschult werden, die ihr Wissen und Können später an die Klasse weitergeben, oder die gesamte Klasse lernt die App von Beginn an gemeinsam kennen. Nach einer kurzen Einführung findet eine erste praktische Erprobung auf dem Schulhof statt. Die Kinder erstellen dort Fotos, Audioaufnahmen oder kurze Videos und bearbeiten diese direkt auf dem Tablet. Für diese Erkundung können bereits Aufgaben eingesetzt werden, die auch bei der späteren Sozialraumerkundung im Stadtteil genutzt werden.

Für diese Erkundung können bereits Aufgaben eingesetzt werden, die auch bei der späteren Sozialraumerkundung im Stadtteil genutzt werden. So setzen sich die Schüler:innen frühzeitig mit der Art der Aufgaben und deren Formulierung auseinander (z.B. Fotografiere Orte auf dem Schulgelände, an denen du deine Freundinnen und Freunde triffst.).

So sehen die Aufgaben in der App aus:

Ergänzend kann es sinnvoll sein, auch Orte einzubeziehen, an denen Konflikte entstehen – also Orte, an denen Kinder das Gegenteil von Freundschaft erleben. Diese Perspektive eröffnet zusätzliche Gesprächsanlässe und vertieft die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Darüber hinaus helfen zusätzliche Impulse zu den Aufgaben den Kindern, genau zu erklären, warum sie Aufnahmen an einem bestimmten Ort gemacht haben. Dafür können sie in der App die Audio- und Kommentarfunktionen nutzen.

TIPP: Alle Infos rund um die Nutzung der App befinden sich auf der TaskCard – Sozialraumerkundungen leicht gemacht.

Es empfiehlt sich, im Anschluss an die Schulhoferkundung etwas Zeit für die Sichtung und Bearbeitung der entstandenen Aufnahmen einzuplanen. Die Fotos und Videos können danach noch gemeinsam ausgewertet werden und eröffnen so wertvolle Einblicke in die Sichtweisen der Schüler:innen. Sie verdeutlichen, wie die Kinder ihren Schulhof wahrnehmen und wo Freundschaften im Schulalltag gelebt werden. Durch das gezielte Aufsuchen und Erkunden dieser Orte erhalten die Kinder die Möglichkeit, Freundschaft sowie ihre eigenen sozialen Beziehungen in unterschiedlichen Situationen bewusst zu betrachten und zu reflektieren. Eine kurze gemeinsame Auswertungsrunde – beispielsweise zur Frage: Was hast du Neues gelernt? (z.B. in Bezug auf Freundschaft oder den Einsatz der App) – bildet einen sinnvollen Abschluss des ersten Projekttages.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 1 (Einstimmen)

8:00-8:45
in das Tema Freundschafts-Orte einführen

8:45-9:30
in das Thema Freundschafts-Orte einführen (Fortsetzung)

10:00-10:45
Stadtteilkarten lesen & Freundschafts-Orte einzeichnen

10:45-11:30
in die App #stadtsache einführen & auf dem Schulhof erproben

12:00-12:45
Aufnahmen bearbeiten & Schulhoferkundung auswerten

Projekttag 2: Erkunden & Bearbeiten

Zu Beginn des Tages kann es sinnvoll sein, daran zu erinnern, was am ersten Projekttag alles passiert ist (über das Thema Freundschaft nachdenken, Kennenlernen der App und Erkundung von Freundschafts-Orten auf dem Schulhof). An diesem Tag steht die Erkundung von Freundschafts-Orten im Stadtteil mit der App #stadtsache an. Erst müssen aber diese Fragen geklärt und besprochen werden:

1. In welcher Gruppe bin ich?
Die Kinder können in kleine Gruppen (etwa vier Kinder) eingeteilt werden und Wege sowie Freundschafts-Orte, die ihnen zugeteilt werden, eigenständig erkunden. Kleine Gruppen haben den Vorteil, dass Abstimmungen und gemeinsame Entscheidungen leichter fallen. Wenn die Wege weit entfernt von der Schule liegen, länger sind oder Kinder Unterstützung brauchen, kann die Klasse in zwei größere Gruppen aufgeteilt werden. Die Gruppen bleiben dabei zusammen und erkunden Wege und bestimmte Freundschafts-Orte gemeinsam – begleitet von Lehrkräften oder weiterem pädagogisch tätigen Personal der Schule. Egal, ob kleine oder große Gruppen: Sie können so zusammengesetzt werden, dass Kinder aus unterschiedlichen Wohngebieten aufeinandertreffen. So bekommen die Kinder Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten und lernen neue Perspektiven kennen.

2. Weiß ich, was mit den Aufgaben in der App gemeint ist?
Es lohnt sich, die Aufgaben in der App gemeinsam mit den Kindern durchzugehen. Die Aufgaben für die Erkundung des Stadtteils sind dieselben wie die, mit denen die Kinder am Vortag bereits den Schulhof erkundet haben.

So sehen die Aufgaben in der App aus:

Mögliche Impulse für gute Begründungen:

  • Was macht diesen Ort für Kinder besonders?
  • Was machst du an diesem Ort?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?

3. Welche Regeln müssen wir bei der Arbeit mit der App beachten?

Regeln für die App #stadtsache

  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen und nutze auch keine beleidigenden Emojis.
  • Suche dir als erstes eine Aufgabe aus und mache dann ein Foto.
  • Sobald ein Foto grau wird, musst du die App sofort schließen und neu starten.
  • Halte das Tablet beim Fotografieren aufrecht (nicht quer).
  • Hab‘ Spaß! 😊

Nun kann die Erkundung der Freundschafts-Orte im Stadtteil beginnen. Jede Gruppe erhält ein Tablet – bei größeren Gruppen auch mehrere. Gemeinsam erkunden die Kinder Freundschafts-Orte, die auf ihrem Weg liegen. Mit der App können sie fotografieren und filmen, was ihnen auffällt. Während der Erkundung reicht die Zeit häufig nicht aus, um die Aufnahmen direkt zu bearbeiten. Dafür sollte Zeit eingeplant werden, wenn die Kinder wieder in der Schule sind. Dort können die Kinder in ihren Gruppen die Aufnahmen sichten, sortieren und bearbeiten. Um die Bedeutung einzelner Aufnahmen besser zu verstehen, können diese auf unterschiedliche Weise angereichert werden, zum Beispiel durch schriftliche Kommentare, Audioaufnahmen oder Zeichnungen. Bei dieser Gelegenheit können auch versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys überdeckt werden. 😊

TIPP: Die Kinder sind stolz, wenn sie alleine im Stadtteil unterwegs sind und meistern diese Aufgabe in der Regel sehr gut. Trotzdem ist es hilfreich, wenn Lehrkräfte an vereinbarten Orten im Stadtteil bereitstehen, um bei Bedarf zu unterstützen. Auch Eltern können dabei eingebunden werden.

 

 

Alle bearbeiteten Aufnahmen fließen schließlich in die digitale Karte ein, auf der die Perspektive von Kindern auf ihren Freundschafts-Orte sichtbar wird.

DIE DIGITALE KARTE

 

 

 

Auf der Karte lassen sich alle Fotos einsehen, die mit der App #stadtsache gesammelt wurden. Jeder einzelne Pin steht für einen Ort, den die Kinder aufgesucht haben. An der Farbe lässt sich erkennen, zu welcher Aufgabe ein Ort gehört. 

TIPP: Über das Rechteck oben rechts in der Karte lässt sich der Vollbild-Modus auswählen.

Screenshot der Stadtsache Karte

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 2 (Erkunden & Bearbeiten)

8:00-9:00
Erkundung vorbereiten

9:00-12:30
Erkundung im Stadtteil durchführen

13:00-14:00
Aufnahmen bearbeiten

Projekttag 3: Präsentieren

An diesem Tag werden die Aufnahmen der Kinder gemeinsam ausgewertet, präsentiert und reflektiert. Bewährt hat es sich, wenn die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse zunächst ihren Mitschüler:innen mithilfe der digitalen Karte vorstellen, erläutern und bei Bedarf Fragen beantworten. Dafür wählt jede Gruppe zwei bis drei Aufnahmen aus. Innerhalb der Gruppen entscheiden die Kinder gemeinsam, welche Aufnahmen für sie besonders bedeutsam sind und was sie zeigen möchten. Im Anschluss an die Präsentationen werden die Aufnahmen sowie die gemachten Erfahrungen im Plenum gemeinsam reflektiert. Diese Phase kann beispielsweise anhand folgender Leitfragen strukturiert werden:

  • Wie müssten Orte sein, damit du dort gerne Zeit mit deinen Freundinnen und Freunden verbringst?
  • Was ich mir sonst noch wünsche …
  • Was hast du in dem Projekt gelernt?

Hierzu erzählen, diskutieren und sammeln die Kinder ihre Gedanken. Die wichtigsten Ergebnisse werden anschließend für alle im Klassenraum festgehalten, zum Beispiel an einer Pinnwand oder am Smartboard. Das sind Gedanken der Schüler:innen der Schule An der Burgweide in Hamburg-Wilhelmsburg zu der Frage:

Wie müssten Orte sein, damit du dort gern Zeit mit deinen Freundinnen und Freunden verbringst?

TIPP: Die Ergebnisse der Projektwoche können von den Kindern auch in einem persönlichen Portfolio gesammelt werden, etwa mit ausgedruckten Fotos, eigenen Texten oder anderen Materialien. Die Fotos sollten bestenfalls im quadratischen Format ausgedruckt werden, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.

STUNDENPLAN-BEISPIEL

Projekttag 3 (Präsentieren)

8:45-9:30
Aufnahmen in der Klasse präsentieren

10:00-11:00
Aufnahmen gemeinsam auswerten & Projekt abschließen

TIPP: Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde (Urkunden-Muster unter Materialien). Sie markiert nicht nur den Projektabschluss, sondern würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

Materialien